Was wissen wir über die Nutzung von KI-Systemen im Deutschunterricht? Wir stellen in diesem Beitrag drei zentrale Einsichten vor.
Sie beruhen auf einer Auswertung, die bei der Begleitung des bayerischen Schulversuchs KI@school entstanden ist. (Donhauser-Buchmaier/Rödel 2026) Gegenstand einer Fragebogen-Untersuchung waren die professionellen Erfahrungen von ca. 170 Lehrkräften aller Schularten in Bayern. Rund die Hälfte der teilnehmenden Lehrkräfte unterrichtet an einer Schule, die am KI-Schulversuch teilnimmt.
1. Eine Gruppe von Lehrkräften senkt ihren Arbeitsaufwand durch KI-Systeme
Ob KI-Systeme die Arbeit für Lehrkräfte noch schwerer und umfangreicher machen oder nicht, ist nicht eindeutig zu sagen. Aber die folgende Grafik deutet einen interessanten, messbaren Zusammenhang an:

Man kann das Ergebnis so zusammenfassen: Je häufiger Lehrkräfte KI-Systeme nutzen, desto stärker empfinden sie diese auch als Entlastung. Es ist aber nicht anzunehmen, dass allein eine häufige Nutzung dazu beiträgt, sich stärker entlastet zu fühlen.
Denn: In den Freitextantworten finden sich Hinweise darauf, dass Lehrkräfte genau dann von KI-Systemen profitieren, wenn sie sich nicht im Hamsterrad fühlen. Das scheint dann der Fall zu sein, wenn sie nicht mehr das Gefühl haben, nur den neuesten Tools und Apps hinterherjagen zu müssen. Sie scheinen einen anderen (offenbar nicht tool-gesteuerten) Zugang zu KI-Systemen zu finden. Unsere Fortbildungen müssten also Tätigkeiten mit KI-Systemen möglichst von konkreten Tools abstrahieren.
2. Lehrkräfte sorgen sich am meisten um die Reflexionskompetenz der Lernenden
In der Studie konnten Lehrkräfte frei auf die Frage antworten, welche Potenziale und Risiken sie im Einsatz von KI-Systemen für Schülerinnen und Schüler erkennen. Die Antworten wurden dann kategorisiert. Es lässt sich z. B. sagen, dass Individualisierung und schnelles Feedback von vielen Lehrkräften als Potenziale gesehen werden.
Eindeutiger ist aber die Tendenz bei den Risiken: Bei den Lehrkräften dominiert die Sorge, dass Schülerinnen und Schüler den KI-Output kaum reflektieren, bevor sie ihn verwenden. Das kann sich in der ungeprüften Übernahme von fehlerhaften oder undifferenzierten Informationen genauso zeigen wie in der Verwendung eines nichtssagenden Texts, den die Maschine auf einen Prompt hin generiert hat. Daraus leitet sich die Notwendigkeit ab, KI-Systeme im Unterricht nicht nur als Instrument zu verwenden, sondern über sie zu reflektieren.
3. KI-Systeme tragen (bislang) zur Individualisierung des Unterrichts bei
Wenn viele Lehrkräfte Individualisierung als ein Potenzial von KI-Systemen erkennen, dann ist anzunehmen, dass sich das auch in den Sozialformen spiegelt. Die befragten Lehrkräfte setzen KI-Systeme vor allem in Formen der Einzelarbeit ein, und zwar mit deutlichem Abstand vor allen anderen Sozialformen. Dann folgt die Partnerarbeit, dann die Gruppenarbeit, erst am Schluss das Plenum.
Ob diese Entwicklung dauerhaft sein sollte, darüber kann gestritten werden: Denn reflexive Zugriffe auf KI-Output sind gerade im Diskurs mit anderen möglich. Unter Umständen können Lehrkräfte dieses Potenzial nutzen, indem sie im Unterricht Diskurse über KI-Systeme ermöglichen – zum Beispiel über ihre Funktionsweise, ihren Einsatz und ihre Ergebnisse.
Michael Rödel
Literaturhinweis:
Donhauser-Buchmaier, C., & Rödel, M. (2026). Nutzung von KI-Systemen für das Schulfach Deutsch. Daten aus dem bayerischen Schulversuch KI@School. MiDU – Medien Im Deutschunterricht, 8(1), 1-20. https://doi.org/10.18716/ojs/midu/2026.1.16

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